Unser Schwerin, 3. Oktober 2004, Seite 3

Single-Fütterung mit Hintergedanken

"Speed-Dating" für Beziehungssuche

Singles - es werden immer mehr. Stressiger Beruf, wenig Freizeit, dauernd auf Achse, da haben es moderne Großstadt-Existenzen eher schwer, einen Partner kennenzulernen. Abends allein in freier Wildbahn auf die Pirsch gehen? Das ist nicht jedermanns Sache und endet meist mit einem einsamen Kater am nächsten Morgen... Dann lieber im Büro nach dem Flirt am Kopierer suchen? Das ist auch schwierig und kann zu karriereknickenden Verwicklungen führen... Also eine Kontaktanzeige? Um Himmels Willen, da sitzt man dann beim ersten Treffen mit einem Unsympath - im schlimmsten Fall mit einem Psychopath - und weiß nicht, wie man sich halbwegs stilvoll aus dem Staube macht...
Da einsam bleiben aber auch keine Lösung ist, haben sich kluge Köpfe eine Art Express-Flirt einfallen lassen - das so genannte Speed-Dating.

Flirten auf die schnelle Tour

Wie das läuft? Etwa so: Sonntagmorgen, der Magen knurrt, ideale Zeit also für ein ausgedehntes Frühstück. Aber zu Croissants und Milchkaffee gibt es heute noch einen Tisch voll knuspriger Schweriner, die auf der Suche nach einer Beziehung sind. Klaus* etwa, Ende 40, Paul*, Alter undefinierbar, Sabine* und Klara*, auf das Vorteilhafteste konserviert... Ein Gläschen Sekt zur Begrüßung, dann soll das muntere Flirten losgehen. "Single-Brunch" nennt Sigrid Unger dieses Spiel. Sie hat in Schwerin unter der Marke "arameo" das "Speed-Dating" etabliert. Wer sich auf der Homepage registrieren lässt, kann gegen Gebühr verschiedene Veranstaltungen besuchen und weiß dann genau, dass er dort ebenfalls "versingelte" Leidensgenossen trifft. "Wir achten darauf, dass die Gruppen vom Alter her ausgewogen sind," sagt Sigrid Unger. Beim Blitz-Dating etwa treffen sich dann abends einen Handvoll Frauen mit der gleichen Anzahl Männer zum Essen. Straff organisiert allerdings, denn nach jeweils sieben Minuten werden die Paare an den Zweier-Tischen neu zusammengewürfelt. "Sieben Minuten sind genug Zeit, sich miteinander bekannt zu machen und ein bißchen zu plauschen". erklärt die Arameo-Macherin. Sieben Minuten können verdammt lang sein, wenn man sich nichts zu sagen hat - deshalb auch die Zeitbegrenzung. Der große Vorteil der ganzen Masche: Während ein einsames Single-Männchen oder -Weibchen bei einer selbst organisierten Pirsch mit Glück ein bis zwei Gegenstücke pro Abend kennenlernt, hat man beim Speed-Dating die Auswahl - und muss nicht fürchten, hinterher einen Unsympath am Hals zu haben. Sigrid Unger erklärt das Prinzip: "Jeder trägt ein Schild mit dem Vornamen, hinterher schreibt jeder auf, wen er nett gefunden hat - und nur bei gegenseitiger Sympathie gibt es die Kontaktdaten."
Ob Klaus, Paul, Sabine, Klara und der Rest Single-Bruncher am Ende des Tages ihre Telefonnummern ausgetauscht haben? Vielleicht. Eines aber zeigte sich schnell: Was als eher schüchterne Frühstücks-Runde begann, entwickelte sich doch noch zu einem netten, gesprächigen Vormittag.
*Namen geändert